18.04.2004
Die Frauenvertretung sowie die Sprachenfrage
Zu Beginn des Aufenthaltes waren die DG-Vertreter vom Landtagspräsidium empfangen worden. Präsidentin Stirner Brantsch informierte die ostbelgische Vertretung über die politischen Konstellationen im Südtiroler Landesparlament. Anschließend erläuterten deutsche und italienische Landtagsabgeordnete die Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit. Namentlich nahmen neben der Südtiroler Landtagspräsidentin und dem RDG-Präsidenten die folgenden Präsidiumsvertreter und Fraktionsvorsitzenden an de parlamentarischen Informationsgespräch teil: Walter Baumgartner und Rosa Thaler (beide Südtiroler Volkspartei), Cristina Kury (Grüne), Eva Klotz (Union für Südtirol), Pius Leitner (Die Freiheitlichen), Giorgio Holzmann (Alleanza Nazionale) für Südtirol; Albert Gehlen (CSP-Fraktionsvorsitzender) und Joseph Maraite (CSP – 1.Vizepräsident des RDG), Charles Servaty (Fraktionsvorsitzender der SP), Lambert Jaegers (Ecolo-Fraktionssprecher) und Heinz Keul (PFF-Provinzialrat). Die Generalsekretäre der beiden Parlamente, Dr. Hubert Peintner (Landtag) und Manfred Beckers (RDG) ergänzten die politischen Diskussionen mit juristischen und technischen Erläuterungen.
Die politische Frauenvertretung und die Sprachenfrage standen bei dem Informationsgespräch im Südtiroler Landtag im Vordergrund. Elf der 35 Südtiroler Landtagsabgeordneten sind weiblichen Geschlechts, darunter die Landtagspräsidentin. Zum Vergleich: Zur Zeit umfasst der RDG acht Frauen bei insgesamt 25 Mitgliedern. Der elfköpfigen Südtiroler Landesregierung gehören mit Luisa Gnecci (Gemeinsam links – Frieden und Gerechtigkeit) und Dr. Sabina Kasslatter Mur (SVP) zwei Frauen an.
Bei einer Diskussion über den Sprachengebrauch im Unterrichtswesen wurde die Unterschiedlichkeit, wie die Stellung der deutschen Muttersprache sowie die Minderheitensituation im Herbergsstaat empfunden wird, am deutlichsten: Zwar äußerte sich die Südtiroler Grünen-Politikerin Cristina Kury begeistert über die Sprachenpolitik der DG, wo frühzeitiger Fremdsprachenunterricht und Sprachimmersion mehrheitsfähig sind. Aber neben Eva Klotz ("Union für Südtirol") machten auch die Politiker der SVP auf die Defensivlage der deutschen Sprache in Italien aufmerksam. "Zur Sprachrealität gehört einfach, dass viele Italiener in Bozen auch nach Jahren kein Deutsch können." so Oppositionspolitikerin Klotz.
Ratsmitglied Charles Servaty gab sich etwas konsterniert, als SVP-Vertreter Walter Baumgartner vom „Export“ Südtiroler Äpfel nach Italien sprach. Landtagspräsidentin Stirner Brantsch bestätigte, dass sich vor allem die Südtiroler Landbevölkerung kaum mit italienischen Sportidolen identifiziert, auch wenn heute niemand mehr über eine Abkehr von Italien nachdenke, um Südtirol wieder an Österreich anzuschließen.
In langen und ausführlichen Gesprächen bemühten die Vertreter beider Seiten sich, die jeweiligen historischen und politischen Gründe zu erfassen, die zu den unterschiedlich geprägten Einstellungen in Südtirol und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens geführt haben, wenn es um die Muttersprache, das Erlernen der ersten Fremdsprache und die Beziehung zum Staat geht.
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