Die sechziger Jahre
Die sprachpolitischen Unterschiede zwischen Flamen und Wallonen einerseits und das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen dem Süden und dem Norden des Landes andererseits brachten die politische Entwicklung Belgiens ab den 60er Jahren in eine Stromschnelle. Die Trennung zeichnete sich auf verschiedenen Ebenen ab:
- die administrative Ebene: Die neue Sprachgesetzgebung von 1962-1963 teilte das Land in vier Sprachgebiete.
- intellektuell: Die französischsprachigen Fakultäten wurden aus der alten flämischen Universitätsstadt Löwen – dies nach flämischen Studentenaufmärschen – ausgewiesen.
- die Medienöffentlichkeit: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk – und damit die belgische Medienlandschaft– zerfiel in einen französischsprachigen und einen flämischen Teil.
- die politische Ebene: Die vormals nationalen Parteien teilten sich in eigenständige frankophone und flämische Parteien.
- die Wirtschaft: 1966 übertraf das flämische Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt zum ersten Mal dasjenige des wallonischen Landesteils.
Ende der sechziger Jahre wurde dann eine grundlegende Staatsreform eingeläutet, die die Strukturen des alten belgischen Einheitsstaates durch moderne Föderalstrukturen ersetzte. Damit wurde der Grundstein für eine Befriedung des Landes und ein besseres Nebeneinander der einzelnen Sprachgruppen gelegt.
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