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28.11.2006

Zusammenarbeit DG und Französische Gemeinschaft

Am gestrigen Montag, 27. November 2006, fand im Plenarsaal des DG-Parlaments am Eupener Kaperberg eine gemeinsame Sitzung der Parlamentsausschüsse für Zusammenarbeit der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Französischen Gemeinschaft statt.

Zur Tagesordnung standen die Jahresberichte über den Stand der Zusammenarbeit zwischen beiden Gemeinschaften über die Jahre 2002, 2003 und 2004 (Siehe Dokumente 38 (2004-2005) Nrn. 1-4). Außerdem tauschten die Ausschussmitglieder über die künftige Zusammenarbeit aus, wobei sie die Schwerpunkte auf die sprachlichen Immersionsprojekte für Schüler und auf die Jugendhilfe legten.

Präsident Louis Siquet (PS) konnte seinen französischsprachigen Amtskollegen Jean-François Istasse (SP), Ministerpräsidentin Marie Arena sowie mehrere Parlamentarier und Verwaltungsbeamte des Französischen Gemeinschaftsparlaments begrüßen. Von Seiten der Deutschsprachigen Gemeinschaft nahmen Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz, Sozialminister Bernd Gentges, Unterrichtsminister Oliver Paasch sowie Vertreter aller Fraktionen des DG-Parlaments teil.

Keine Kooperationsschwierigkeiten

Parlamentspräsident Siquet hob in seiner Begrüßung hervor, dass die Zusammenarbeit der DG mit der Französischen Gemeinschaft auf der Grundlage des Kooperationsabkommens vom 15. April 1995 fußt. Präsident Istasse wies darauf hin, dass es bei der Umsetzung des Abkommens keinerlei Schwierigkeiten gibt.

Ministerpräsidentin Marie Arena erläuterte eine Reihe von gemeinsamen Tätigkeiten und Verwirklichungen der letzten Jahre. Dies sind beispielsweise im Gesundheitswesen gemeinsame Impfprogramme, im Schulwesen der Sprachenaustausch für Schüler und außerdem Praktika für Sprachenlehrer in der jeweils anderen Gemeinschaft.

Auf kultureller Ebene hob sie besonders die Anerkennung der St. Vither Theatertruppe Agora durch beide Gemeinschaften hervor. Sie wünsche sich eine noch intensivere Zusammenarbeit der Französischen Gemeinschaft mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Rahmen der Euregios Maas-Rhein und Saar-Lor-Lux.

„Verbindende Grenzen“

Ministerpräsident Lambertz unterstrich die enge Zusammenarbeit der Gemeinden an den Sprachgrenzen, beispielsweise im Vereins- und Bibliothekswesen oder im Theater. „Grenzen sind hier nicht trennend, sondern verbindend. Allerdings könnte etwas Innovationsgeist bei der Gestaltung künftiger Projekte nicht schaden“, so der Eupener Regierungschef.

Gemeinsames Auftreten beider Gemeinschaften in der Vertretung in Berlin, insbesondere bei Kontakten mit den 16 deutschen Bundesländern, sowie eine ambitionierte Zusammenarbeit im Rahmen der Euregios standen ebenfalls auf seinem Wunschzettel. Er kündigte eine breit angelegte Informationskampagne der DG in der Wallonie an.

Lambertz unterstrich, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft ab 2008 die Lehrergehälter definitiv in eigener Verantwortung auszahlen werde und bedankte sich für die Jahre lange Hilfestellung, die die Französische Gemeinschaft der DG geboten hat. 

Sprachprogramme für Erwachsene

Die Sprecher der einzelnen Fraktionen stellten eine Reihe konkreter Vorschläge und Fragen zur Diskussion, wobei der Erlernung der jeweils anderen Sprache besondere Bedeutung zukam.

Hans Niessen (ECOLO) trat dafür ein, dass neben einer Sprachimmersion für Schüler auch Angebote zur Spracherlernungfür Erwachsene erstellt werden, beispielsweise im Rahmen der kulturellen Kooperation.

Dr. Joseph Meyer (VIVANT) wünschte Informationen zum absoluten Rauchverbot an den Schulen der Französischen Gemeinschaft. Marie Arena betonte dazu, das Verbot gehe einher mit einem umfassenden Begleitprogramm, das das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler durch gesunde Ernährung und Sportaktivitäten fördern soll.

PJU-PDB-Sprecher Dieter Pankert wünschte einen intensiveren Austausch zwischen den Schulen diesseits und jenseits der Sprachgrenzen, ein Anliegen, das auch Zustimmung bei den anderen Parlamentariern fand.

Fremdsprachendidaktik

Gabriele Thiemann-Heinen (CSP) mahnte die Vermittlung der Fremdsprachendidaktik an französischsprachigen Hochschulen für deutschsprachige Studenten an.

Dass die DG trotz ihrer geringen Größe auch Knowhow und spezifische Erfahrenswerte an die Französische Gemeinschaft vermitteln kann, zeigte Ferdel Schröder (PFF) anhand von Beispielen aus der Feld der Pädagogik und psycho-sozialen Betreuung von Schülern.

Charles Servaty (SP) interessierte sich für Aspekte der Zusammenarbeit in der Jugendhilfe und bei der Kooperation zwischen der Klinik St. Vith und der CHU (Universitätsklinik von Lüttich). Er beglückwünschte die Französische Gemeinschaft zu ihrer beispielhaften Initiative der Sportschecks.

Rechtsprobleme gelöst

Minister Oliver Paasch wies auf rechtliche Schwierigkeiten hin, die für denAustausch von Fremdsprachenlehrern („native speakers“) im Rahmen derKooperation hätten gelöst werden können, insbesondere die Frage der Anerkennung von Dienstjahren. Er freute sich über den Austausch der beiden Gemeinschaften im Zusammenhang mit der Bildungsforschung.

Er unterstrich, wie seine französischsprachige Amtskollegin, dass die Sprachenimmersions-Projekte sich seit 2003 stets größerer Beliebtheit erfreuen. „Wir müssen die Deutschkenntnisse in der Französischen Gemeinschaft verstärken, erstens weil Deutsch eine Landessprache in Belgien ist, aber auch, weil Deutsch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für unsere Gemeinschaft hat.“,sagte dazu Frau Arena.

„Keine Vorzimmer zum Knast“

Für die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, die straffällig geworden sind oder in schwierigen Familienverhältnissen leben, ist die DG aufgrund ihrer geringen Größe auf die Hilfe der Französische Gemeinschaft angewiesen, betonte Minister Bernd Gentges. Marie Arena erklärte, dass die betroffenen Kinder in der Französischen Gemeinschaft eine umfassende Betreuung zur gesellschaftlichen Integration erhalten: „Die Unterbringungsanstalten dürfen keine Vorzimmer zum Knast (‚antichambres de la prison’) werden.“


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