18.04.2004
RDG-Besuch beim Not- und Rettungsdienst in Bozen
Südtirol ist ein Bergland: Nur 4 Prozent seines Territoriums liegen unter 400 m über dem Meeresspiegel; 64 Prozent sogar über 1500 Meter. Als Land mit ausgeprägtem Sommer- und vor allem Wintertourismus liegt es auf der Hand, dass die Notrettungsdienste spezialisiert und äußerst effizient organisiert sein müssen. Auch der Transitverkehr stellt hohe Anforderungen an die Sanitätsdienste.
Nicht verwunderlich, dass die RDG-Delegation sich von dem Treffen mit Verantwortlichen des Südtiroler Rettungswesens neue Erkenntnisse erhoffte, steht doch das Rettungswesen regelmäßig auf der politischen Tagesordnung der DG und der deutschsprachigen Gemeinden. Im Beisein des zuständigen Mitglieds der Südtiroler Landesregierung, Landrat Dr. Richard Theiner, konnten die ostbelgischen Vertreter sich ein Bild vor Ort machen.
Professionalismus
Hohes Verkehrsaufaufkommen, gefährliche Bergwelt, teils unwegsames Gelände: Die Anforderungen an das Südtiroler Rettungswesens sind extrem hoch, erklärte der Primar der Bozener Rettungszentrale, Dr. Manfred Brandstetter. Deswegen sprach er sich für einen möglichst hohen Grad an Professionalismus in seinem Dienst aus. "Ehrenamtliche Hilfsdienste haben gewiss eine bedeutende soziale Funktion, aber die weniger hohe Einsatzfrequenz und der damit verbundene Mangel an Routine kann in schwierigen Fällen problematisch sein."
Drei Rettungshubschrauber
Südtirol zählt sieben Krankenhäuser, die sich alle in der ausschließlichen Trägerschaft des Landes befinden. Das Bozener Hospital fungiert als Schwerpunktkrankenhaus. Aber auch jedem anderem Krankenhaus ist ein Notrettungsdienst angegliedert; dieser ist wie in ganz Italien bei Notfällen ausschließlich unter der Nummer 118 zu erreichen.
In Bozen und in Brixen ist jeweils ein Rettungshubschrauber stationiert. Die Rettungsdienste verfügen noch über einen dritten Helikopter im Grödental, der aber nur saisonal eingesetzt wird. Außerdem kann die Flugrettung auf Zusammenarbeitsabkommen mit anderen italienischen Provinzen sowie mit der Schweiz und dem österreichischen Tirol zurückgreifen. Für die Bergrettung sind 21 Rettungsstellen eingerichtet.
Zum Bestand der Südtiroler Rettungsdienste gehören 38 Krankentransportwagen sowie acht Notarzteinsatzfahrzeuge. Jeder Notarztwagen ist grundsätzlich mit einem Fahrer, einem Sanitäter und einem Notarzt besetzt, der dem jeweiligen Krankenhaus angegliedert ist. Vor allem in den entlegeneren Kommunen ergänzen Gemeindeärzte mit einer besonderen Ausbildung das Notarztsystem.
Absolut doppelsprachig
Alle Mitarbeiter der Notrettung müssen absolut doppelsprachig sein, unterstreicht Dr. Brandstätter. Und dieser Grundsatz wird vom Bozener Chefarzt konsequent gehandhabt. "Wenn neben medizinischen Problemen die sprachliche Kommunikation mit den Notfallopfern nicht gewährleistet ist, dann sind die Belastungen und der Stress noch höher, und zwar sowohl für die Opfer als auch für die Helfer." so Dr. Brandstetter.
Schwierige Finanzlage
Das ausgefeilte Südtiroler Rettungswesen beansprucht die Landesfinanzen erheblich. Nachdem die Mittel in den letzten Jahren immer wieder aufgestockt wurden, haben die Landespolitiker nun Nullrunden anberaumt. Dennoch so versprach Regierungsmitglied Theiner, wird es in Südtirol niemals soweit kommen, dass die Effizienz der Südtiroler Rettungsdienste ausgeblutet wird.
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